Wibele
Weitere Bezeichnungen:
Geduldszeltle
Die original Langenburger Wibele werden aus einer einfachen Biskuitmasse hergestellt.
Die Teigzusammensetzung ähnelt der des Russisch Brot, allerdings werden Wibele weder
zu Buchstaben geformt noch braun gefärbt, sondern erinnern in ihrer kleinen, tropfenförmigen
Gestalt eher an eine Schuhsohle. Das hellbraune Gebäck duftet nach Vanille und ist gerade
einmal 22 Millimeter lang und 12 Millimeter breit.
Das im Hohenloher Land bei Schwäbisch Hall gelegene Städtchen Langenburg ist nicht nur
aufgrund seines historischen Stadtkerns und seines Renaissanceschlosses berühmt, sondern
natürlich auch wegen seiner traditionellen Spezialität, der Wibele. Als Erfinder und Namens-
geber der Wibele gilt ein Hofkonditor namens Jakob Christian Carl Wibel (geb. 1770).
Nicht uninteressant, dass Wibel selbst das Gebäck noch als "Geduldszeltle" bezeichnete,
weil zur Herstellung der winzigen Tropfen viel Geduld erforderlich sei.
Erst nach 1800 benannten vermutlich andere Hersteller das in den Handel gebrachte Gedulds-
gebäck als Wibele. Gerne berichtet wird allerdings auch, dass es der Fürst und Schlossherr Karl
zu Hohenlohe-Langenburg persönlich gewesen sein soll, der, verärgert über die Gebäcke der ansässigen Konditorenkonkurrenz, fortan nur noch "vom Wibele" für den Fürstenhof gefordert
habe, womit die kleinen Biskuits ihren Namen hatten. Sie mundeten dem Fürst wesentlich besser
als die verschiedenen Nachahmungen, die schon seinerzeit zu haben waren.
Exklusiver Hersteller für die heutige Produktion ist das Café Bauer in Langenburg, ein Familien-
betrieb, der das feine Dessertgebäck seit 1763 ununterbrochen herstellt. Bäckermeister Wibel
hatte seinen Betrieb mitsamt seiner Kreation, den Wibele, an die Familie Bauer verkauft.
Viele Prämierungen, auch auf internationalen Ausstellungen, haben das Dessertgebäck
darüber hinaus weltweit bekannt gemacht.
Im Jahre 1911 ließ Konditor Bauer die "Echten Wibele" durch das Patentamt Berlin rechtlich
schützen. Dadurch entstand die Unterscheidung in "Echte" und nur "Wibele", was ein anderer
berühmter Langenburger, Kurt Rösch, in einem Lied verdeutlicht: "....die oane werde gschdanzd,
die andre werde gseecht, wohl dem ders verdreecht....".
Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Gebäck zu einem echten Gaumenschmaus für Fein-
schmecker im In- und Ausland. Viel historische Prominenz schätzt bis heute die Spezialität,
denn über 1000 Adelsfamilien in ganz Europa sollen Abnehmer der Wibele sein.
Langenburg im Hohenlohischen, bei Schwäbisch Hall gelegen, ist auch heute noch einer der
Ursprungsorte der Wibele. Die größte Wibele-Bäckerei Deutschlands, die Confiserie Bosch,
befindet sich heute im schwäbischen Uhingen. Das feine Gebäck ist aber über alle Grenzen
hinweg verbreitet und findet weltweit seine Genießer. Zahlreiche Nachahmungen in Baden-
Württemberg und anderswo decken inzwischen die große Nachfrage.