Weitzmann Lexikon

Schweinebraten I


Schwäbisch-Hällisches Schwein

Weitere Bezeichnungen:
Hällischer Schlag, Mohrenköpfle

Das Schwäbisch-Hällische Schwein ist Lieferant für qualitativ hochwertiges und schmackhaftes Fleisch. Sein Fleisch ist fest, etwas dunkler und verfügt dank artgerechter Tierhaltung und Fütterung über ein typisches, kräftiges Aroma. Die gesunde Zellstruktur und der naturbelassene Fettgehalt garantieren bei jeder Art der Zubereitung ein saftiges Gericht.

Das Schwäbisch-Hällische Schwein ist das Ergebnis einer Züchtung: König Wilhelm I. von Württemberg ließ um 1820 chinesische Maskenschweine importieren, um diese mit einheimischen Landrassen zu kreuzen, die so einen höheren Fettanteil bekommen sollten.

Das heutige Schwäbisch-Hällische Schwein entstand aus der Einkreuzung von englischen und Angeler-Sattelschweinen. Es kommt ausschließlich von Bauernhöfen, die der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall angehören.

Auch die Europäische Union hebt die Bedeutung des Schwäbisch-Hällischen Schweins hervor:

Das Schwäbisch-Hällische Schwein ist seit 1998 als g.g.A. (geschützte geographische Angabe) eingetragen. Diese europäische Eintragung dient zum Schutz und zur Aufwertung von besonderen Agrarerzeugnissen und Lebensmitteln mit Herkunftsbezeichnung.

Beim Schwäbisch-Hällischen Schwein handelt es sich um eine alte Schweinerasse mit Schlappohren, schwarzem Kopf und Hals sowie schwarzer Hinterseite der Oberschenkel. Der übrige Körper ist hellrosa, im Übergang zwischen beiden Farben findet sich ein grauer Säumungsstreifen. Der Körperbau der Schwäbisch-Hällischen Schweine ist großrahmig und tiefrumpfig.

Das Schwäbisch-Hällische Schwein war eine ausgesprochen erfolgreiche Züchtung: widerstandsfähig gegen Krankheiten, stressstabil, mit hohem Fleischanteil und darüber hinaus sehr guter Fleischqualität. Doch trotz all dieser Vorteile war das Schwäbisch-Hällische Schwein noch bis vor kurzem vom Aussterben bedroht. Der Grund: Mit dem Trend zu Fleisch mit einem geringeren Fettgehalt in den 70er Jahren verlor das fetthaltigere, aber geschmackvolle Fleisch dieser Schweinerasse für den Verbraucher an Attraktivität. Nur sieben Tiere konnten dank des Engagements von Herrn Bühler von der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft in Wolpertshausen als Genreserve erhalten werden.

Inzwischen hat sich der Trend umgekehrt und die Schwäbisch-Hällischen Schweine erleben ein großartiges Comeback: Die Verbraucher haben genug von ranken, schlanken, dafür aber rippenreichen

(16 statt 12!) Mastschweinen. Qualitativ hochwertiges, fetthaltigeres Schweinefleisch ist im Kommen.

Seit Ende der 80er Jahres wird das Schwäbisch-Hällische Schwein wieder gezüchtet, gehört jedoch aufgrund seines nach wie vor geringen Bestandes (ca. 900 Schweine und ein gutes Dutzend Zuchteber) noch immer zu den gefährdeten Rassen in der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.

Für die Zucht des Schwäbisch-Hällischen Schweins gibt es strenge Richtlinien: gentechnische Zuchtmethoden sind verboten, nur die gesündesten Schweine mit bester Fleischqualität dürfen in die Zucht aufgenommen werden. Streng geregelte Haltungsbedingungen sind eine Selbstverständlichkeit.

Für die Fütterung dürfen nur pflanzliche Mittel verwendet werden, die zu 80 Prozent aus Baden-Württemberg kommen. Tiertransporte sind nur zum Schlachthof in Schwäbisch-Hall erlaubt, kurzum:

Statt Masse zählt hier Klasse!

Aus dem rötlichen und sehr aromatischen Fleisch kann man alle erdenklichen Köstlichkeiten zaubern.

Das haben auch schon Spitzenköche aus ganz Deutschland entdeckt, auf deren Speisekarten man
immer öfter auch Gerichte mit Fleisch vom Schwäbisch-Hällischen Schwein findet.

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