Weinwissen
Rebsorten
Die Sortenvielfalt der in Württemberg angebauten Weine ist sehr hoch und lässt jedem Weintrinker viel Raum,
sein Lieblingsviertele zu finden und zu genießen. Württemberg bildet mit seinen unterschiedlichen Boden- und Klimaverhältnissen eine eigene kleine Welt innerhalb der deutschen Anbaugebiete.
Auf ca. 60% der Fläche wird Rotwein angebaut, was Württemberg zum größten Rotweingebiet Deutschlands macht. Dennoch ist Württemberg ein Gebiet mit hoher Sortenvielfalt geblieben, die größte Menge (etwa 90%) wird im Land selbst verbraucht, der Rest exportiert. Baden-Württemberg hat bundesweit den höchsten Weinkonsum pro Kopf, zur Trauer der einheimischen Brauereien.
Allen Rotweinen voran ist der schwäbische Lieblingswein, der Trollinger. Das ist nichts anderes als der Südtiroler Vernatsch, eine Rebe die reichlich trägt und einen hellroten Schoppen liefert, der leicht, fruchtig und süffig ist. Die Rebe verlangt sehr gute Lagen, schwere, kalkhaltige Böden und braucht während des gesamten Wachstums ausreichend Regen. Wegen des herzhaft-kernigen Charakters des Weins genießt der Schwabe sein
Nationalgetränk gern zu deftig-rustikalen Speisen wie Gerichten vom Kalb und Schwein, zum Rostbraten
mit Spätzle oder auch zum Gänsebraten. Trinktemperatur: 16-18 Grad.
Diese Rebsorte wird nur in Schwaben angebaut und hat wegen des relativ geringen Körpers nur eine sehr begrenzte Lagerfähigkeit, was aber in der Praxis kein Problem ist, da er sowieso sehr schnell weggetrunken wird. Der Schwabe liebt seinen Trollinger drogga (trocken) mit höchstens 9 Gramm Restzucker pro Liter.
Hierzu merkte am 3.4.2001 Dr. W Roth per eMail an: .. dass Trollinger jung getrunken werden muss, ist eine Überlieferung aus der Zeit meines Großvaters (er war ein Altersgenosse von Theodor Heuss). Dies ist jedoch auf die damals herrschende mangelhafte Kellereiwirtschaft und Kellerhygiene zurückzuführen.
Trollinger kann, wenn er mit einer gewissen Restsüße ausgestattet ist, wie Sie m.E. richtig bemerken,
mit maximal 9 g/l Zucker versehen wird, jung getrunken werden. Wird er jedoch richtig "trocken" ausgebaut (eigentlich passt dieser Ausdruck gar nicht zum Trollinger, aber er hat sich nun mal eingebürgert), also mit
etwa 2 g/l Zucker, kann er gut und gerne 10 Jahre liegen und ist dann nicht nur ein sehr guter Wein,
sondern ein göttlicher Nektar! Probieren Sie es einmal mit einer Stuttgarter Mönchhalde oder einem
Stuttgarter Hasenberg aus!
Wesentlich anspruchsvoller im Anbau ist der Lemberger (der österreichische Blaufränkisch), der bei geringerem Ertrag und guter Pflege einen tiefdunklen, gehaltvollen Tropfen liefert. Ich mag ihn mehr in der Kombination mit Trollinger (Trollinger mit Lemberger bzw. Lemberger mit Trollinger), mit dem er in schwächeren Jahrgängen zusammen gekeltert wird. Er ist in guten Jahrgängen alleine ein schöner voller Rotwein, hat eine angenehme Bitterkeit in seinem Aroma und kann durchaus mit ausländischen Spitzenweinen konkurrieren. Durch seine tief dunkle Farbe, seinen kräftigen Körper und seine feinherbe Art zählt dieser Wein weltweit zur Traubenelite. Auszeichnung genug, um als krönender Höhepunkt zu Lamm, Hase, Reh und allen Pilzgerichten serviert zu werden. Er sollte bei 17-19 Grad getrunken werden.
Eine in ganz Deutschland verbreitete Traubensorte, der Dornfelder, wird hier ebenfalls angebaut. Dornfelder ist eine Kreuzung aus einer Kreuzung, nämlich Frühburgunder-Trollinger mit Portugieser-Lemberger. Er ist sehr dunkel, fruchtig-würzig mit kräftiger Säure. Sein Aroma lässt einen an Brombeeren, Sauerkirschen und ähnliches denken. Ausgebaut im Barriquefass kann ein guter Dornfelder ein exzellentes Tröpfchen abgeben. Donfelder passt sehr gut zu Braten- und Wildgerichten und sollte nicht zu kalt serviert werden.
Ein sehr bekömmlicher, leichter, und doch sehr ansprechender Rotwein ist auch der Portugieser.
Nur beste Lagen sind der sehr alten Rebsorte Gewürztraminer würdig. Aus ihren Trauben entstehen Weine,
deren goldgelbe Farbe und hochfein-fruchtiges Bukett gerühmt werden. Mit einer Fülle feinster Aromastoffe
und einem makellosen Körper genießt man sie zu Desserts oder auch als Aperitif.
Der Spätburgunder gehört zu den edlen Rotweinen und wird in Württemberg seit Jahrhunderten angebaut.
Warm, körperreich und voll Eleganz ist er ein Wein, der ins Blut geht. Spätburgunder brauchen gute Lagen und fruchtbare, warme, lockere, nicht zu trockene Böden. Die Ertragssicherheit ist relativ gut.
In Frankreich bildet der Spätburgunder als Pinot Noir das Rückgrat der besten Burgundersorten und zusammen mit weissen Chardonnay-Trauben den Körper des Champagners. Purpurrot, körperreich und mit verhaltenem Feuer bereichert dieses Spitzengewächs seit jeher exquisite Rind-, Wild- und Geflügelgerichte
Ein feiner, eleganter, fruchtiger Rotwein mit wenig Säure ist der Schwarzriesling, eine Abart des Blauen Burgunders. Er ist sehr bekömmlich und schmackhaft und läßt sich angenehm trinken. Er gehört zur Familie der Burgunderweine und ist vor Jahrhunderten aus Frankreich zu uns ins gekommen. Im Bukett zart und aromatisch, ist er im Körper feingliedrig, aber kräftig und fruchtig. Selbst in weniger sonnenreichen Jahren erreicht der nur in Württemberg kultivierte Schwarzriesling gute Öchslegrade.
Die hochreifen Ruländer-Trauben der auf warmen und tiefgründigen Böden wachsenden Burgunderrebe sind die Grundlage für meist ausdrucksvolle Weißweine. Genießt man sie zu leichten Sommergerichten und Salaten, wie Kalbsinnereien, Geflügel und Fisch, kommt ihre Größe hervorragend zum Ausdruck.
Der Samtrot liegt purpursamten im Glase und entfaltet beim Trinken seinen samtig-weichen Charakter. Als Mutation vor wenigen Jahrzehnten aus dem Schwarzriesling entstanden, wird dieser Burgunderabkömmling vor allem in unserem Raum angebaut. Samtrot verlangt tiefgründige Böden in guten Lagen. Er wird eine Spezialität für Kenner bleiben, denn seine Erträge sind eher bescheiden.
Der hier noch angebaute Clevner ist auch eine Schwarzriesling-Art von sehr schönem ausgeglichenem und speziellem Charakter. Er ist wie der Muskattrollinger und der Trollinger Urban eine ausgefallene Traubensorte und wird nur noch von wenigen Weingärtnern und einigen Herrschaftsgütern angebaut.
Neben diesen Rotweinen, die 55 bis 60% des Ertrages in Württemberg ausmachen, gedeihen hier auch prächtige Weißweinsorten. Nicht wenige davon erhielten als deutsche Spitzenweine Gold- und Silbermedaillen.
Die Hauptsorte ist jedoch weiterhin der Riesling, der König der Weißweinsorten. Seine beste Lagen sind die Muschelkalkböden rund um Stuttgart und im Remstal. Ein richtiger schwäbischer Riesling muss ein Bodagfährdle haben, diesen typischen leicht erdigen Beigeschmack. Riesling ist ideal zu Fisch, Meeresfrüchten und Geflügel, oder einfach zum Genießen an einem heißen Sommerabend, gekühlt auf 9-11 Grad.
Milder und lieblicher, besonders bei Damen sehr beliebt, ist der Silvaner. Ursprünglich aus Siebenbürgen (Transsylvanien) stammend, wird dieser Wein schon lange angebaut. Er ist recht anspruchslos, liebt aber warme Böden und ist ideal zum Vesper, wenn man einen milden, harmonischen Wein möchte.
Immer größerer Beliebtheit erfreut sich auch der Müller-Thurgau. Eine Kreuzung von Riesling und Silvaner, die ein Hermann Müller 1882 in der Schweiz im Kanton Thurgau gezüchtet hat.
Ich wurde inzwischen schon desöfteren auf die Fragwürdigkeit der obigen Behauptung hingewiesen und habe daher im Internet gestöbert, und siehe da, Meinungen über Meinungen zu diesem Thema, drei seien exemplarisch:
... Nach den Untersuchungen (genetischer Fingerabdruck) des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof handelt es sich bei Müller-Thurgau um eine Kreuzung zwischen Madeleine Royale und Riesling...
.. Sie werden sicher erstaunt sein, wenn ich immer vom Müller-Thurgau schreibe: dies beruht auf den neusten Erkenntnissen, wo von man davon ausgeht, dass die Müller - Thurgau - Traube eine Kreuzung von Riesling und Gutedel (Chasselas) ist...
... Ursprünglich wurde angenommen, der "Müller-Thurgau" sei eine Kreuzung zwischen Riesling (Mutter) x Silvaner (Vater). Spätere genetische Untersuchungen ergaben jedoch als Kreuzung Riesling x Gutedel. Silvaner scheidet damit endgültig als Vater aus, aber die 100%-ige Klärung der Vaterschaft scheint noch offen, da auch Gutedel noch nicht absolut sicher als Vater angegeben werden kann...
Er ist mild und sehr aromatisch und vereinigt die Vorzüge seiner Eltern: reicher Ertrag, die Trauben reifen früh und geben einen milden Wein. Sein fruchtiges Bouquet hat einen leichten Muskatton. Wird er trocken und jung ausgebaut, heißt er neumodisch auch Rivaner. (Was eigentlich Quatsch ist, weil ja Silvaner als Elternteil ausscheidet)
Er passt gut zu Suppen und Vorspeisen und sollte bei 8-10 Grad getrunken werden. Ich liebe ihn aber auch zu thailändischen Gerichten und überhaupt an einem heißen Sommerabend auf der Terasse.
Vor Jahren noch hochgehandelt, jetzt fast nicht mehr im Angebot, ist der Kerner, eine Züchtung aus Trollinger und Riesling aus dem Jahr 1929. Er ist würzig, kraftvoll im Körper und hat die feine Säure des Rieslings in sich. Seit 1969 ist er sortengeschützt und eigentlich die einzige "rein württembergische" Rebe. Er trägt den Namen des Weinsberger Arztes und Dichters Justinus Kerner. Die Weine sind fein und würzig mit viel Säure und passen zu Fisch und Geflügel, serviert mit 9-11 Grad. Tipp: Unter dem Markennamen 'Justinus K.' bieten einige württembergische Spitzen-Weingüter einen traumhaften Kerner-Wein an.
Schwerer und sehr ausgeprägt im Bukett ist der Ruländer bzw. Grauer Burgunder (Pinot Grigio), eine helle Abart des Pinot Noir. Die schwerer ausgebauten Weine kommen als Ruländer, die fruchtig-frischen als Grauburgunder in den Handel. Die Weine sind gehaltvoll, körperreich und vollmundig. Ruländer passt gut zum Dessert, während der Grauburgunder zu hellem Fleisch, und besonders gut zu Spargel mundet. Ruländer bei 9-11, Grauburgunder bei 8-10 Grad servieren.
Zu der vielgestaltigen Skala schwäbischer Weine gehört auch der Gewürztraminer (einer Spielart des roten Traminers), der ob seiner würzigen Duftigkeit und seiner vornehmen Eigenart eine herrliche Beigabe zu einem guten Mahl ist. Goldgelb, hochfein und bouquetreich begeistert er vor allem als Spätlese oder Auslese. Er ist als Aperitiv-Wein, ähnlich wie der Muskateller, oder als Ergänzung zu Vorspeisen, bestens geeignet.
An warmen Abenden wird von Schwaben gerne ein Viertele Weißherbst genossen. Dabei handelt es sich um einen Rotwein, der wie ein Weißwein ausgebaut wurde. Während beim Rotwein der gepresste Saft ein ganze Weile auf der Maische liegt, werden beim Weißherbst Most und Maische nur wenige Stunden nach dem Pressen getrennt. Dadurch wandert nur wenig roter Farbstoff in den Most und verleiht dem Weißherbst seine rosige Farbe. Weißherbst wird insbesondere aus Trollinger und Schwarzriesling gewonnen.
Viel wurde schon vom Schillerwein gesprochen, der zwar im Lande des berühmten Dichters Schiller beheimatet ist, doch mit dem Marbacher Poeten nichts zu tun hat. Der Schillerwein wird aus zur gleichen Zeit gelesenen roten und weißen Trauben zusammen gekeltert und darf nur in Württemberg Schiller heißen, in anderen Gebieten heißt er bei gleicher Kelterart Rotling. Er ist rezent, bekömmlich und wird gerne als Tischwein oder zum Vesper im Schwabenland getrunken, Trinktemperatur 10-12 Grad.
Der bedeutendste Weinort in Baden-Württemberg (direkt an der A81 zwischen Stuttgart und Heilbronn) hat keinen einzigen Weinberg, beherbergt aber die 'Württembergische Weingärtner- Zentralgenossenschaft WZG', die den Wein von 60 Genossenschaften in riesigen Tanks (110 Millionen Liter) ausbaut und dafür sorgt, dass eine kontinuierliche und bezahlbare Versorgung mit Viertele sichergestellt ist
Daneben gibt es aber auch viele kleine Winzergenossengeschaften und Weinbauern, die mit sehr viel Liebe und Ausdauer daran arbeiten, dass schwäbischer Wein nicht nur in der Breite, sondern auch an der Spitze seinen guten Ruf über die Grenzen des Ländles hinausträgt.
Leider hat sich die Qualität des hiesigen Weines vielerorts herumgesprochen und es gibt eine ständig steigende Zahl von Weinliebhabern, die uns den hochgeschätzten einheimischen Tropfen oifach wägsauffa.
Brooschd, zom Woohl.