Schwarzwälder Kirschwasser
Das Schwarzwälder Kirschwasser ist ein fruchtiger Obstbrand mit zartem Bittermandelton.
Unter den heimischen Obstbränden ist er der berühmteste; sein Alkoholgehalt beträgt
mindestens 45% Vol.
Schwarzwälder Kirschwasser wird aus schwarzen Schnapskirschen destilliert. Je länger die Kirschen
am Baum hängen desto aromatischer und süßer sind sie bei der Ernte das kommt natürlich dem
Gehalt des Kirschwassers zugute. Auch der Boden und die Höhenlage spielen eine entscheidende
Rolle für die Qualität der Kirschen. So entwickeln Gebirgskirschen einen intensiveren Geschmack
als die schneller wachsenden Sorten in den Ebenen.
Gleich nach der Ernte kommen die Kirschen ins Maischefass, wo sie längstens vier Wochen gären.
Der Bittermandelton entwickelt sich im Laufe des Gärprozesses aus einem geringfügigen Anteil zerstossener Kirschkerne. Geniesser trinken Schwarzwälder Kirsch frühestens nach einer
Reifezeit von zwei Jahren.
Der Vorgänger des bekanntesten deutschen Obstbrandes ist der sogenannte „Brentz“.
Dabei handelt es sich um ein Kirschwasser (auch „Chriesewässerle“ genannt), das der sparsame
Bauer in altvorderen Zeiten nur zu ganz besonderen Anlässen auftischte. Den Brentz stellte man
aus seltenen, wilden Waldkirschen her; heute wird er kaum noch gebrannt.
Die rund 14.000 Brennereien im Schwarzwald verwenden zum Herstellen des hochprozentigen Wässerchens zumeist ertragreiche Kirschsorten. Kischwasser zählt zu den Bränden, weil es aus vergorener Obstmaische ohne zusätzlichen Zusatz von Zucker destilliert wird.
Kein anderer Obstbrand verfügt über so vielfältige geschmackliche Nuancen wie das
Schwarzwälder Kirschwasser. Zum Brennen von 1l Kirschwasser benötigt man 10l im
Schwarzwald gewachsender Kirschen.
Wenn der Schwarzwald als Hochburg des Hochprozentigen gilt, dann ist die Stadt Oberkirch im
Renchtal deren Zentrum mit sage und schreibe rund 900 Brennrechten. Diese rekordverdächtige
Anzahl kommt nicht von ungefähr: 1726 erließ der Bischof von Straßburg ein Dekret für die
Einwohner von Oberkirch mit dem Ziel, den Bauern durch das Erzeugen von Destillaten eine Nebenerwerbsquelle zu sichern. Darüber hinaus füllten die zusätzlichen Steuereinnahmen das
Säckel des Bistums kräftig auf.
Noch heute wacht der Zoll mit Argusaugen über die Oberkirchner Brennereien und die daraus resultierenden Einnahmen. Während der Zeit, in der üblicherweise nicht gebrannt wird, sind
die Kessel verplombt. So will man unbemerkte Schwarzbrennerei verhindern.
Das Brennrecht der Hausbrennereien ist erblich. Es erlischt erst, wenn über einen Zeitraum
von 10 Jahren nicht gebrannt wurde.
Früher verwendete man Schwarzwälder Kirschwasser um Gebäck „luftig“ zu machen.