Loblied auf den Wein
'A bissle oiga', also einzigartig (böse Zungen sprechen auch von eigenartig) wie der Schwabe selbst,
ist auch der von ihm (und mittlerweile auch von einigen anderen) sehr geschätzte schwäbische Wein.
'Mäßig genossen ist er auch in größeren Mengen völlig unschädlich.'
Der Wein gehört im Schwäbischen, wie in vielen Teilen der kultivierten Welt (ja!), zu den echten Lebensgenüssen . Man schätzt und genießt ihn, wann immer man kann vor, nach und/oder zu den Mahlzeiten oder anstatt.
Die schwäbischen Weine sind variantenreich und charaktervoll wie ihre Böden, auf denen sie gedeihen.
Sie kommen aus dem Neckartal und den vielen Nebentälern, dem Remstal, Bottwartal, Schozachtal, wachsen an Enz, Murr, Sulm und Lein, im Weinsbergtal, an den Hügeln der Löwensteiner Berge,
im Jagst-, Kocher- und Taubertal, im Heuchelberg-, Stromberg- und Zabergäugebiet und rund um Heilbronn und in Stuttgart. Auf vulkanischem Gestein gedeihen herbere Sorten am Rande der Alb
bei Metzingen, Reutlingen, Tübingen und Neuffen.
Im Bereich Kocher-Jagst-Tauber dominieren auf Terassenweinbergen Silvaner, Kerner und Müller-Thurgau, insbesondere um Ingelfingen, Niederhall, Markelsheim und Weikersheim.
Weinberge bei Weinsberg:
Hauptanbaugebiet ist die Gegend um Heilbronn, auch Württembergisches Unterland genannt. So ist Heilbronn als moderne Industriestadt mit 540 Hektar Reben eine der größten Weinbaugemeinden in Deutschland. Bekannt sind dort die Lagen Staufenberg (Erlenbach, Weinsberg), Lindelberg (Heuholz, Verrenberg), Heuchelberg (Nordheim, Dürrenzimmern, Brackenheim, Haberschlacht) oder Kirchenweinberg (Flein, Talheim).
Lauffen ist durch seinen großflächigen Anbau von Schwarzriesling bekannt, das Enztal um Vaihingen
und Bietigheim bietet neben Trollingern und Lembergern auch herzhafte Rieslingweine an.
Das Zabergäu zwischen Stromberg und Heuchelberg ist das Zentrum des Lembergeranbaus, sowie
des die Heimat des Lemberger- Weißherbsts.
Weinberge in Stuttgart:
Auch rund um Stuttgart wird Wein angebaut, was die Landeshauptstadt in den 60er Jahren zu dem Werbeslogan 'Weltstadt zwischen Wald und Reben' animiert hat.
Im übrigen leistet sich die Stadt Stuttgart ein eigenes Weingut mit knapp 18 Hektar und unterhält in den Katakomben des Rathauses eigens dafür eine Verkaufsstelle. Bekannt sind die Stuttgarter Wein-Vororte Cannstatt, Uhlbach und Untertürkheim.
Das dritte Anbaugebiet liegt östlich von Stuttgart im Remstal, wo eine unsägliche Gemeindereform alteingesessene Gemeinden unter dem Namen Weinstadt zwangsvereinigte, die man besser als Großheppach, Korb, Stetten oder Strümpfelbach kannte.
Weite Gegenden Württembergs sind geprägt vom Weinbau, alle Autobahnen im mittleren Neckarraum führen vorbei an Hügeln und Bergen voller Reben.
Leider sind fast überall die unzähligen grauen Weinbergmauern, die schmalen Staffeln und Stiegen und die malerischen kleinen Gerätehäuschen der Rebland- Umlegung zum Opfer gefallen.
Was dem Wengerter die Arbeit zweifellos erleichtert, hat zu einer Monotonisierung der Landschaft beigetragen und lässt manchen Hügel so streng aussehen wie die Frisur von Angela Merkel.
Die Rebfläche ist mit 11.100 ha etwa so groß wie die an der Mosel und etwa halb so groß wie in der Pfalz.
Riesling, Trollinger, Schwarzriesling und Lemberger sind heute auf 11 000 Hektar Rebfläche in Württemberg die führenden Sorten, während auf über 15 000 Hektar in Baden vor allem
Müller-Thurgau, Spät- und Grauburgunder, Riesling und Gutedel wachsen.
Die durchschnittliche Rebfläche ist mit ca. 1/2 ha pro Betrieb sehr klein, dafür aber (Gott sei es geklagt) wird mit 110 hl und mehr pro ha Rebfläche eine Weinmenge produziert, wie nirgends auf der Welt.
Heute sind sich viele Experten einig, dass die Qualität der Weinerzeugung in Baden wie in Württemberg nie besser war. Dazu haben der Druck des Marktes, die Lehranstalten in Freiburg und Weinsberg sowie junge Wengerter und Winzer beigetragen, die über den eigenen Weinberg hinausgeschaut und sich oft gegen den Widerstand der Verbandsoberen auf Neuerungen wie den Ausbau hochwertiger Rotgewächse im kleinen Eichenfass eingelassen haben.
Vorbei die Zeiten, da am Primat rasch umzuschlagender Weine nicht gerüttelt wurde, da in
Württemberg Tradition und Trollinger im Henkelgläsle als allein selig machend galten und in
Baden ein Qualitätsfanatiker wie der Kaiserstühler Franz Keller wegen Kritik an Süßreserve
und Massenträger verfemt wurde.
Der Umbruch in Württemberg ist den Mitgliedern des Verbands der Prädikatsweingüter ebenso zu verdanken wie ehrgeizigen Kellermeistern in Genossenschaften wie Grantschen, Flein, Eberbach, Rotenberg oder Untertürkheim und Einzelkämpfern wie Robert Bauer in Flein oder Ernst Dautel in Bönnigheim.
Wie in allen Bereichen streiten die Württemberger und Badener auch beim Thema Wein um die Vorherrschaft, daher einige nüchterne Fakten:
Auch im Zeichen von EU und zunehmender Globalisierung des Weinmarktes bleiben schwäbische Wengerter und badische Winzer am liebsten für sich, einig allein in der Klage über Preisverfall und ausländische Tropfen, neue (problematische) Entwicklungen in der Kellertechnik, übermächtige Handelspartner und eine schwerfällige Weinbürokratie.
Das war nicht immer so. 1947 war in Heilbronn ein Weinbauverband Württemberg-Baden entstanden, der die Wengerter Württembergs und die Winzer Nordbadens vereinte. Doch 1964 zog es die Weinbauern von Kraichgau, Bergstraße und Tauberfranken zu ihren südbadischen Kollegen, der Aussicht auf eine bessere Zukunft wegen...
Im Jahr 2001 produzierte Baden-Württemberg 2,19 Millionen Hektoliter Weiß- und Rotwein. Der badische Anteil lag mit 1,1 Millionen hl ganz knapp vor den 1,08 Millionen hl der Württemberger. Während in Baden der Weißwein mit 62% Mengen-Anteil dominiert, dominiert in Württemberg der Rotwein mit 76% Mengen-Anteil ganz klar.
Nach der Qualität an der Spitze liegt Baden vorne. Der Anteil der Weinen mit Prädikat liegt bei 13%, in Württemberg bei 9 %. Dafür führen die Württemberger bei den Qualitätsweinen mit 88% zu 60%.
Aber eines ist klar. Bevor ein Württemberger zum badischen Wein oder ein Badener zum schwäbischen Wein greift, trinkt man lieber einen Italiener oder Franzosen. (Gott sei Dank habe ich diesen Dogmatismus abgelegt und teile Weine nur in die Kategorien 'schmeckt' und 'schmeckt nicht' ein.)
Aber eines ist auch klar. Die Rotwein-Produktion im Südwesten hat sehr zu dem Rotwein-Boom in Deutschland beigetragen. 2001 wurden 18% mehr rote getrunken als ein Jahr zuvor. damit haben die deutschen Rotweine bereits die Italiener überholt und nähern sich schon den Produktionsquoten der Franzosen.
Na denn Prost!