Geschichte des Weins in Württemberg
Seit über 1000 Jahren pflanzt, pflegt und kultiviert man Wein in Württemberg. In Cannstatt fand man in einem römischen Keller ein Merkurheiligtum mit einem Traubenornament. Und schon aus dem Jahre 625, so weiß man, dass dem später heilig gesprochenen Apostel St. Gallus von einem Landmann im heutigen württembergischen Bodenseegebiet zwei Krüge Wein zum Geschenk gemacht wurden. Urkundlich ist der Weinbau in Württemberg
seit dem 8 Jahrhundert gesichert, eine Urkunde von 766 beschreibt den Weinbau in Böckingen, dem alten Römerlager von Heilbronn, in Esslingen werden im Jahre 777 Rebgärten erwähnt.
Da Wein auch auf kargen Böden wächst, die für die andere Landwirtschaft nicht brauchbar ist, verlegten sich viele arme Familien auf den Weinbau, um ihren Lebensunterhalt damit (mehr schlecht als recht) zu bestreiten.
Die Mönche bauten in ihren Klöstern Reben an und kelterten gute Weine. So pflanzten und pflegten die Maulbronner Mönche den köstlichen "Eilfinger Berg", heute noch der edelste Riesling der "Württembergischen Hofkammer". Auch manch Nönnlein wurde zur tüchtigen Kellermeisterin.
Eine Freifrau von Stetten im Remstal holte sich in einem verschlossenen Krug gerne den guten Weißwein ihres Ortes, den sie als "Brotwasser" deklarierte, denn zu jenen Zeiten war es noch nicht schicklich,
als Dame Wein zu trinken. Man tauchte nur das Brot darin ein.
Der Weinbau nahm so überhand, dass man bereits Anfang des 14. Jahrhunderts die Anlage zusätzlicher
Rebfluren verbot, um die Versorgung der Menschen mit Früchten, Vieh und Milch nicht zu gefährden.
Trotzdem reichten oft die Fässer nicht aus, die Weinflut zu fassen. 1386 soll einer alten Chronik zufolge
mehr Wein als Wasser geflossen sein, so dass man den Mörtel beim Hausbau mit Wein anrühren musste.
Der Adel 'bemühte' sich der Weinflut durch Festivitäten Herr zu werden: Als 1480 der vielgeliebte Graf
Ulrich V. starb, ertränkten die nahen und fernen Hinterbliebenen auf der Trauerfeier ihren Schmerz in
64 Eimern rotem und weißem Wein. Da ein Eimer heute 294 Litern entspricht, wurden also fast 19.000 Liter
Wein verbraucht. Noch mehr Wein floss bei der Hochzeit von Herzog Ulrich von Württemberg mit der
bayrischen Prinzessin Sabina im Jahr 1511: Wer immer wollte konnte sich kostenlos bei Tag und Nacht
aus einem achtröhrigen Weinbrunnen vor dem Alten Schloss in Stuttgart bedienen. Mitnehmen war allerdings verboten, getrunken werden musste an Ort und Stelle. Die Stuttgarter nahmen das Angebot dankbar an und tranken etwa 4,5 Millionen Liter Wein! (Ich glaube, das wäre heute genauso ..!)
Das Jahr 1602 war ein schlechtes Weinjahr und es gab überall nur Semsakrebsler (sauren Wein).
Die Pfarrer auf den Kanzeln hatten schnell die Erklärung parat: die Bürger mit ihren Sünden und ihrem unchristlichen Treiben hätten den Herrgott erzürnt. Zur Strafe müssten Sie sauren Wein trinken.
Da aber die Pfarrer zum Teil mit Wein bezahlt wurden, baten Sie in einem Schreiben an den Landesherrn,
den sauren Kelch an sich vorüber gehen zu lassen', sie hätten gerne einen lieblicheren Wein. Der Herzog,
wohl wissend um die Predigten, schrieb lapidar an den Rand des Bittschreibens "mitgesündigt, mitgebüßt!"
Bis ins 16. Jahrhundert war der Weinbau mit ca. 45.000 Hektar Anbaufläche am weitesten verbreitet.
Selbst auf heute völlig ungeeigneten Lagen in den Kreisen Ulm, Münsingen oder Reutlingen wurde Wein
angebaut. Herzog Christoph (1550-1560) erkannte den Wirtschaftsfaktor Wein und ließ die Flächen
um 13.000 Hektar erweitern. Zahlreiche Kleinkriege um Weinreben und Weinabsatz waren die Folge.
Durch die Verwüstungen des 30-jährigen Krieges im Jahre 1648 sank die Anbaufläche auf etwa 10.000
Hektar zusammen und es dauerte sehr lange bis das Land sich sich wieder erholte.
Unzählige Versuche, die Qualität des schwäbischen Weines zu steigern, scheiterten am Bestreben der Weinbauern um Quantität. Schließlich war Wein ein Volksnahrungsmittel (wie Bier im Rest Deutschlands),
war doch bis zum ersten Weltkrieg der Schoppen mit einem halben Liter das kleinste in der Wirtschaft ausgeschenkte Maß.
1855 wurde in Neckarsulm Württemberg die erste Weingärtner-Genossenschaft gegründet.
Nach den Vorstellungen Raiffeisens schlossen sich kleine Weingärtner zusammen, für die der eigene
Ausbau unmöglich war und konnten so ihre Trauben selbst weiterverarbeiten und vermarkten.
Im Jahr 1866 entstand in Weinsberg die erste deutsche Lehranstalt für den Weinbau, in der,
in der Folge, viel für die Entwicklung und Züchtung des Weines geleistet wurde.