Weitzmann Weinlexikon

Schillerwein

Schillerwein ist ein Rotling. Die Bezeichnung Schillerwein ist aber nur korrekt, wenn die verwendeten Trauben aus dem Anbaugebiet Württemberg stammen und der Wein mindestens als ein QbA eingestuft ist.

Wie der Schillerwein zu seinem Namen kam ist nicht ganz geklärt. Eventuell wurde er nach dem Dichter Friedrich von Schiller benannt oder er erhielt seinen Namen wegen seiner blassroten, schillernden Farbe, das letztere dürfte wohl richtig sein.

In der Schweiz wird ein hellroter Wein, der aus Weiß- und Rotweintrauben aus dem gleichen Weinberg gekeltert wurde, ebenfalls Schiller oder Schillerwein genannt.

Der Schillerwein ist ein Rotling aus einem Verschnitt von Rotwein- und Weißwein-Trauben, die zur gleichen Zeit geerntet und gekeltert werden. Er hat eine hellrötliche bis altgold schillernde Farbe, die ihm seinen Namen verleiht. Die traditionelle Weinspezialität ist einer der meistgetrunkenen Weine Württembergs.

Für die Herstellung des Schillerweins dürfen die Winzer nur Trauben aus dem Anbaugebiet Württemberg verwenden. Welche Traubensorten man für den Schillerwein bevorzugt verwendet, beschreibt Christian Single, Weingärtner, Stadtrat Stuttgarts und Vorstand der Königlichen Weinbauschule in Weinsberg bereits im Jahre 1860: „Im gemischten Satz werden für ‚Schillerweine’ in der Regel der weiße Silvaner, der Gutedel, der Rothurban als Milderungssorten gewählt. Milderungssorten sind milde und säurearme Sorten mit neutraler Art. Der Trollinger, der Schwarzurban, der Affenthaler, der blaue Scheuchner (Grübler) sind vorzugsweise dafür bestimmt, um den Wein haltbar zu machen.“

Schon im ausgehenden Mittelalter waren gemischte Rebensätze keine Seltenheit mehr. Bei der Weinlese erntete man die verschiedenen Traubensorten zusammen. Dann trat man sie mit den Füßen, so wie es früher üblich war, oder raspelte sie mit speziellen Walzen. Nach kurzer Maischegärung gekeltert und im Holzfass ausgebaut, servierten die Weingärtner ihre Weine im Tonkrug und schenkten sie – damals wie heute – ins Weingläsle ein. Ursprünglich diente der gemischte Satz zur Risikosteuerung: Die spezielle Anbaumethode sollte Eigenarten und Qualitäten der Reben ausgleichen.

Auf die Bezeichnung Schillerwein trifft man erstmals Anfang des 18. Jahrhunderts: Nach den überstandenen Wirren der französischen Kriege widmeten die Württembergischen Weingärtner sich wieder verstärkt dem qualitativ hochwertigen Weinbau. Neben der sortenreinen Bestockung bauten die Weingärtner auch gemischte Rebensätze an. Die unterschiedlichen Farbtönungen der einzelnen Traubengattungen verliehen dem Wein eine leicht rötliche, „schierlende“ Farbe – „schierlend“ ist die alte Schreibweise für schillernd. So kam der Schillerwein wahrscheinlich zu seinem Namen.

Als Rotling – so die weinrechtliche Bezeichnung – ist der Schillerwein eine der vier Weinarten, die es in Deutschland gibt. Die vier Weinarten sind Rotwein, Weißwein, Rosé und Rotling. Im Gegensatz zu der sortenreinen Verwendung der Trauben beim Ausbau der Weiß- oder Rotweine, findet man bei Schillerwein verschiedene Rot- und Weißgewächse.

Am Cleebronner Michaelsberg (Zabergäu) hat der Schillerwein schon eine lange Tradition. Cleebronn gilt als die „Schillergemeinde“ Württembergs. Der Schillerwein ist eine unnachahmliche Spezialität aus württembergischen Landen: Die Weingärtner dürfen ihn nur aus Trauben herstellen, die im Anbaugebiet Württemberg wachsen. Der Schillerwein hat mindestens die Qualitätsstufe QbA (‚Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete’). Die Trauben müssen ein gesetzlich vorgeschriebenes Mindestmostgewicht besitzen, das für jedes Anbaugebiet und jede Rebsorte gesondert festgelegt ist.

Das Verfahren zur Messung des Mostgewichtes und die Maßeinheit Oechsle gehen auf den Pforzheimer Christian Ferdinand Oechsle (1774 -1852) zurück, der eine Mostwaage entwickelt hatte.

Der traditionsreiche württembergische Schillerwein hat einen betont fruchtigen Ausbau mit pikanter Würze, einer Vielfalt von Aromen und den Duft eines blühenden Wiesenstraußes. Seine harmonische Vereinigung verschiedener Geschmackskomponenten lässt sich am schönsten mit den Worten Friedrichs von Schiller beschreiben:
„Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
wo Starkes sich und Mildes paarten,
da gibt es einen guten Klang!“

Der Marbacher Dichterfürst Friedrich von Schiller (1759-1805) ist zwar nicht der Namenspate des Schillerweines, hegte aber als echter Schwabe eine Vorliebe für die Weine seines Heimatlandes. Er wusste ihre inspirierende und anregende Wirkung sehr zu würdigen und preist in vielen seiner literarischen Werke die segensreichen Eigenschaften des Weines. Dem württembergischen Rebensaft widmete er einige spezielle Zeilen:

Der Wirtemberger

Der Name Wirtemberg
schreibt sich vom Wirt am Berg
Ein Wirtemberger ohne Wein,
kann der ein Wirtemberger sein?

Auch Schillers Vater Johann Caspar (1723-1796) beschäftigte sich mit den landwirtschaftlichen Erzeugnissen seines Landes: In seiner Schrift „Betrachtungen über Landwirtschaftliche Dinge in dem Herzogtum Württemberg“ handelt das ‚Zweyte Stück’ vom Weinbau. Es war ihm ein Anliegen, auch Unkundigen die Kunst des Winzerhandwerks nahe zu bringen und so gilt Schillers Vater durchaus als Förderer des württembergischen Weinbaues.

Übrigens: In Württemberg „schlotzt“ man sein Viertele vielfach im 0,25 l Henkelglas. Die qualitativ besseren Weine trinkt man im Stielglas, welches sich nach oben verjüngt. So bleibt das Buketts besser erhalten.